Michael geht schwimmen: Tag 2

Wir starten heute mit einem Guten-Morgen-Stretching an der Kaimauer. Orla macht’s vor, wir machen’s nach. Dann geht es wieder hochmotiviert an Bord. Die Wettervorhersage für heute ist durchwachsen, Gewitter und Regen stehen an. Ein Crossing von Insel zu Insel ist damit heute nicht drin. Der Skipper Borjan sucht eine ruhige Stelle in unserem Archipel für den heutigen Swim.

Er bringt uns in einer halben Stunde per Boot an die Südostküste von Zlarin. Die Insel südlich von Prvic ist bekannt für die größte Hafenmohle Kroatiens. Und für die Korallenfischerei, die bis Ende des 19. Jahrhunderts an der Adriaküste des Landes ein bedeutender Wirstschaftszweig war. Besonders die roten Korallen waren für Schmuck und andere dekorative Zwecke begehrt. Heute sind die Korallen glücklicherweise geschützt, aber man findet sie hier auch nur noch in über einhundert Meter Tiefe.

Die schlechte Wettervorhersage bewahrheitet sich nach nur gut einem Kilometer im Wasser. Eine schwarze Wand schiebt sich bedrohlich auf uns zu. Wir müssen raus, zurück ins sichere Boot. Glücklicherweise bleibt es bei „nur“ sturzflutartigem Regen, ein Sturm mit hohem Wellengang bleibt uns erspart. Im abklingenden Regen nutzen wir die Zeit für einen Landgang (s. Entdeckung des Tages) und ein frühes Mittagessen an der Anlegestelle.

Gegen 13:30h sind wir mit dem Regen durch und das Wetter präsentiert sich mit uns zusammen in bester Laune. Wir schwimmen entlang der Südwestküste der Insel mit Blick in die Tiefen des Ozeans. Hier ist die Küste steil und fällt fast senkrecht ins Meer ab. Es schwimmt sich gut, das Wasser ist ruhig, ohne viel Wellen, ich ziehe…ja was, keine Bahnen… einfach nur immer und immer geradeaus. Es ist ein Meeresspaziergang mit der (Ein)Sicht für die Schönheit des Ozeans.

Wir kompensieren die fehlenden Kilometer des Vormittags mit einem langen fünf Kilometer Swim. Als Zwischenmahlzeit gibt es Gummibärchenfütterung vom Boot aus. Nach den fünf Kilometern sind wir dann gebührend ausgepowert und schippern Richtung HomeBase – streckenweise begleitet von einem Delphin. Ein zweiter wunderschöner und erlebnisreicher Tag geht zu Ende.

Entdeckung des Tages
Beim Landgang auf Zlarin besichtige ich auf Empfehlung von Skipper Bojan das dortige Korallenmuseum. Wie später auch der Blick beim Schwimmen in die Unterwasserwelt der Gegend wird mir hier wieder einmal bewusst, wie anders und wichtig dieses Geschenk der Natur für uns ist. Unvorstellbar, dass das Ernten dieser aussterbenden Art einmal Lebensunterhalt für die gesamte Bevölkerung der Region gewesen ist.

Tipp des Tages
Passend zur heutigen Entdeckung möchte ich euch die Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen ans Herz legen. Ein Ausflug, der sich wirklich lohnt. Es geht um die Faszination des Ozeans, seine Bewohner und seine Bedrohung.

https://www.gasometer.de/de/ausstellungen/planet-ozean

autor: Michael Boldt

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Michael geht schwimmen: Tag 1

Um 9:00h geht’s los. Skipper Bojan nimmt uns an Bord und zwei Zodiacs ins Schlepptau. Auch hier wieder heißt es Safety First und wir lernen das Boot und die Spielregeln dafür kennen. Immer festhalten, immer von hinten ans Boot ranschwimmen, wo sind die Schwimmwesten, wo ist Verbandszeug, wen ruft man im Notfall an. Wir verlassen den Hafen von Luka und können es kaum erwarten, uns dem Wasser zu überlassen. Nach fünfzehn Minuten Bootsfahrt erreichen wir eine Bucht im Süden der Nachbarinsel Tijat. Für den ersten Tag steht Schwimmen entlang der Küste auf dem Programm, damit wir uns mit dem Meer, den Wellen und dem Salz vertraut machen. 24,5 Grad Wassertemperatur, ein makelloser Himmel, eine leichte Brise bescheren uns einen perfekten Tag.

Wir gehen in drei Teams ins Wasser. Team gelbe Badekappe startet zuerst und bekommt 150 Meter Vorsprung. Dann springt Team orange hinterher und geht es an. Ich starte mit zwei Männern und einer Frau im Team pinke Badekappe zuletzt. Wir lassen es gemütlich angehen und kraulen uns an die beiden Gruppen heran. Ich brauche ein paar Minuten, um mich an das spezielle auf und ab der Wellen zu gewöhnen. Gleiten wie im See oder im Schwimmbad ist oft nicht drin. Dafür ist das Wasser glasklar. Die Unterwasserwelt hat hier allerdings nicht viel zu bieten, aber der Blick auf die Küste ist umso schöner.

Hinter uns sind Orla und Marc in den Beibooten unterwegs und behalten uns immer im Blick. Alle tausend Meter sammeln wir uns bei ihnen, können Getränke oder PowerSnacks aufnehmen. Und wir bestätigen uns immer wieder, wie toll es ist, im Wasser zu sein. Mein gute Vorbereitung macht sich bezahlt. Ich bin fit, spüre kaum Ermüdung und fühle mich sehr gut.

Mittagspause machen wir nach vier Kilometer Schwimmen in Sepurine, einem Dorf auf unserer HomeBase-Insel. Ein Buffet an Bord macht uns satt und ein bisschen schläfrig, aber im Wasser sind wir schnell wieder wach und voll konzentriert, denn jetzt geht es an die Videoaufzeichnungen unseres Schwimmstils zur späteren Besprechung.

Im Anschluss machen wir uns auf, die letzten vier Kilometer des Tages zu absolvieren. Entlang der festlandseitigen Küste geht es Richtung Südspitze, die wir umschwimmen. Erst kurz vor der Hafeneinfahrt gehen wir wieder an Bord.
Ein toller Tag geht zu Ende, und wir freuen uns schon auf noch mehr Meer: ein Crossing von Insel zu Insel, das allerdings nur bei ruhiger See möglich ist, steht bei uns allen auf der Wunschliste.

Entdeckung des Tages
Carl aus London erzählt mir von seinem Channelcrossing. 2009 (nach 2 Jahren Vorbereitungszeit) hat er sich den Traum erfüllt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. 33 Kilometer zuzüglich einiger Kilometer Strömungsabweichung von Dover nach Calais hat er in 13 Stunden bewältigt. Seine Einschätzung: Man muss „nur“ ein sehr guter Schwimmer sein, Schnelligkeit zählt hier nicht, der KOPF ist entscheidend. Da die Wassertempertur dabei meist nicht über 15°C läge, sei eine gute natürliche Polsterung ein MUSS, dabei lacht er und tätschelt seinen Bauch.

Ich bin inspiriert und will mehr wissen.
Deshalt lautet der…

…Tipp des Tages
https://swim.de/aktuell/abenteuer-aermelkanal/

autor: Michael Boldt

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Michael geht schwimmen: Tag 0

Milde fünfundreißig Grad, die Musik von Millionen von Grillen, das Gluckern von Wasser an Bootswänden, das Kreischen glücklicher Kinder, hin und wieder das Platschen einer Arschbombe: Kein Zweifel, wir sind im Urlaub. Kroatien begrüßt uns auf das Herzlichste.

Leise schaukeln die Boote in der Bucht von Luka, in der für die nächsten sieben Tage unser BaseCamp https://tinyurl.com/MaestralBaseCamp liegt. Fünfzehn verrückte Langstreckenschwimmer – fünf Männer, zehn Frauen (sind die unternehmungslustiger?) – versammeln sich um 17:00 Uhr zum Kennenlernen. Laura, Nellie, Sanne, Tracy, … Sam, Karl, Erwin… Ich geb mir Mühe, alle Namen zu behalten. Viele sind wie ich zum ersten Mal bei einem SwimTrek dabei und fragen sich wie ich, ob sie die acht Kilometer pro Tag im offenen Meer problemlos hinbekommen. Orla und Marc, beide aus Irland, sind unsere Swim Guides. Sie machen uns mit den wichtigsten Spielregeln am und im Wasser vertraut. Immer im Team schwimmen, Küste im Blick halten, Zeichensprache im Wasser beachten. Dann sind wir alle bereit. Zum Anschwimmen geht es vor dem ersten gemeinsamen Abendessen eine Runde ins Wasser. Wir stürzen uns begeistert in die spiegelglatte See und sind jetzt schon sicher: Das wird ne supergeile Zig!

Entdeckung des Tages:
In unserer Bucht schaukelt ein Wasserballfeld. Das ist in einem Land, in dem Wasserball National- und Volkssport ist eigentlich kein Wunder. Schon gewusst: Die kroatischen Fußballfans tragen bei den Fußballspielen ihres Teams Wasserballkappen. Warum sie das tun, lest ihr hier:
https://tinyurl.com/KroatischeFussballfans

https://www.spox.com/fussball/listen/em-2024-warum-haben-die-fans-von-kroatien-wasserball-kappen-auf-dem-kopf/6784792

Tipp des Tages:
Bei so vielen Frauen im Wasser liegt der Tipp auf der Hand:
https://tinyurl.com/WaterwomanARD

https://www.ardmediathek.de/serie/waterwoman/staffel-1/Y3JpZDovL25kci5kZS80ODA2/1

Ich wünsch euch gute Unterhaltung bei dieser sehenswerten Serie. Vor allem die erste Folge „Hautnah bei den Haien der Azoren“ geht unter die Haut.

autor: Michael Boldt

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