Michael geht schwimmen: Tag 3


Das Guten-Morgen-Stretching um kurz vor neun ist zur Routine geworden und macht uns vor dem Start locker. Die See ist ein bisschen kabbelig, und unser Skipper sucht deshalb wieder eine Stelle, wo Wind und Wellen uns nicht zu Ping-Pong-Bällen auf dem Wasser werden lassen. Vor Srima, einem Vorort von Vodice, werden wir in 200 Metern Entfernung zur Küste im tiefen Wasser ausgesetzt. Knapp vier Kilometer Richtung Süden die Festlandküste entlang liegen vor uns.

Zum Schutz vor der Sonne hatte ich mir ein Swimsuit zugelegt. Das trägt zwar nicht wie Neopren, gibt aber doch ein bisschen Auftrieb. Das Salzwasser tut sein Übriges und so bewältige ich die Stecke ohne große Mühe, auch wenn das Schwimmen gegen die Wellen und querlaufenden Wind herausfordernd ist.

Jadrija Beach ist unser Ziel. Der Ort Jadrija soll laut Skipper Bojan Namensgeber für die Adria gewesen sein, aber Wikipedia sagt etwas anderes. Es ist wohl nur natürlich, dass jedes angrenzende Land die Namensgebung für diesen schönen Teil des Mittelmeeres bei sich selbst verortet wissen möchte☺. Wir umrunden per Boot eine Felsnase und laufen in die Bucht von Strika ein, um dort unsere Mittagspause zu verbringen.

Nach dem Lunch skippert uns Bojan zum St. Nicola’s Fortress und erzählt uns dessen beeindruckende Geschichte. 2017 wurde die Festung des Heiligen Nikolaus auf die Liste des UNESCO-Welt-Architekturerbes gesetzt. Es ist ein einzigartiges Denkmal des venezianischen Verteidigungssystems des 16. und 17. Jahrhunderts. Immer wieder überrascht uns der Skipper mit seinem umfassenden Wissen über sein Land, seine Leute und vor allem über das Meer und das Wetter.

Auch am Nachmittag bleibt die See unruhig und der Wind unbeständig. An ein Crossing von Insel zu Insel ist leider noch immer nicht zu denken. Bojan beruhigt uns: Die nächsten Tage sollen besser werden. Die Risiken bei der aktuellen Wetterlage sind die stärkere Strömung und die Wellen, gegen die es anzuschwimmen gilt. Das ist selbst für geübte Ozean-Schwimmer herausfordernd.

Wir schippern zurück an die Nordspitze von Zlarin und schwimmen südostwärts etwas mehr als vier Kilometer die Küste entlang bis zur Südspitze der Insel. Von dort geht’s per Boot zurück zur HomeBase. Wir sind gespannt auf die Videoanalyse, die unsere Guide Orla mit jedem einzelnen von uns heute durchgehen wird. Den Abend verbringen wir dann mit einem gemeinsamen Abendessen, bei dem wir immer wieder auf ein Lieblingsthema zurückkommen: Wo auf der Welt kann man noch besonders gut Freiwasserschwimmen…… Beispielsweise in Neuseeland bei Auckland, beim 20km Solo Swim Marathon um Rangitoto Island.
https://swimscape.co.nz/products/swim-around-rangitoto-island-expression-of-interest

Eine Einladung zum privaten B&B sprachen Sanne und Ellie aus Auckland gleich dazu aus 😉

Entdeckung des Tages:
Ich sehe zum ersten Mal per Video, wie ich beim Kraulen im Wasser liege, wie meine Bein-Arm-Koordination aussieht, und ich lerne, dass meine Armtechnik auf einen älteren Jahrgang 😉 schließen lässt. Heute lehrt man offenbar, die Arme neben dem Körper gerade an der Hüfte vorbeizuziehen. Dafür finde ich im www allerdings keine Bestätigung.
Falls die Schwimmprofis des SVN das lesen sollten, schreibt mich dazu gerne an michaelboldt@arcor.de

Tipp des Tages:
Bei meiner Suche nach Antworten fand ich diese Videos hier. Vielleicht ist ja was Brauchbares für euch dabei, auch wenn die eigentliche Frage unbeantwortet bleibt ☺

Pushing Limits mit Johann Ackermann:
https://www.youtube.com/watch?v=Bmla3kCSV3Q

Docswim
https://www.youtube.com/watch?v=VZoJg8gY7Ac

 

autor: Michael Boldt

*alle Links und deren zugehöriger Website liegen nicht in der Verantwortung zum SV Neptun 1897 Krefeld e.V. und sind eine freiwillige unbezahlte „Werbung“

Michael geht schwimmen: Tag 2

Wir starten heute mit einem Guten-Morgen-Stretching an der Kaimauer. Orla macht’s vor, wir machen’s nach. Dann geht es wieder hochmotiviert an Bord. Die Wettervorhersage für heute ist durchwachsen, Gewitter und Regen stehen an. Ein Crossing von Insel zu Insel ist damit heute nicht drin. Der Skipper Borjan sucht eine ruhige Stelle in unserem Archipel für den heutigen Swim.

Er bringt uns in einer halben Stunde per Boot an die Südostküste von Zlarin. Die Insel südlich von Prvic ist bekannt für die größte Hafenmohle Kroatiens. Und für die Korallenfischerei, die bis Ende des 19. Jahrhunderts an der Adriaküste des Landes ein bedeutender Wirstschaftszweig war. Besonders die roten Korallen waren für Schmuck und andere dekorative Zwecke begehrt. Heute sind die Korallen glücklicherweise geschützt, aber man findet sie hier auch nur noch in über einhundert Meter Tiefe.

Die schlechte Wettervorhersage bewahrheitet sich nach nur gut einem Kilometer im Wasser. Eine schwarze Wand schiebt sich bedrohlich auf uns zu. Wir müssen raus, zurück ins sichere Boot. Glücklicherweise bleibt es bei „nur“ sturzflutartigem Regen, ein Sturm mit hohem Wellengang bleibt uns erspart. Im abklingenden Regen nutzen wir die Zeit für einen Landgang (s. Entdeckung des Tages) und ein frühes Mittagessen an der Anlegestelle.

Gegen 13:30h sind wir mit dem Regen durch und das Wetter präsentiert sich mit uns zusammen in bester Laune. Wir schwimmen entlang der Südwestküste der Insel mit Blick in die Tiefen des Ozeans. Hier ist die Küste steil und fällt fast senkrecht ins Meer ab. Es schwimmt sich gut, das Wasser ist ruhig, ohne viel Wellen, ich ziehe…ja was, keine Bahnen… einfach nur immer und immer geradeaus. Es ist ein Meeresspaziergang mit der (Ein)Sicht für die Schönheit des Ozeans.

Wir kompensieren die fehlenden Kilometer des Vormittags mit einem langen fünf Kilometer Swim. Als Zwischenmahlzeit gibt es Gummibärchenfütterung vom Boot aus. Nach den fünf Kilometern sind wir dann gebührend ausgepowert und schippern Richtung HomeBase – streckenweise begleitet von einem Delphin. Ein zweiter wunderschöner und erlebnisreicher Tag geht zu Ende.

Entdeckung des Tages
Beim Landgang auf Zlarin besichtige ich auf Empfehlung von Skipper Bojan das dortige Korallenmuseum. Wie später auch der Blick beim Schwimmen in die Unterwasserwelt der Gegend wird mir hier wieder einmal bewusst, wie anders und wichtig dieses Geschenk der Natur für uns ist. Unvorstellbar, dass das Ernten dieser aussterbenden Art einmal Lebensunterhalt für die gesamte Bevölkerung der Region gewesen ist.

Tipp des Tages
Passend zur heutigen Entdeckung möchte ich euch die Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen ans Herz legen. Ein Ausflug, der sich wirklich lohnt. Es geht um die Faszination des Ozeans, seine Bewohner und seine Bedrohung.

https://www.gasometer.de/de/ausstellungen/planet-ozean

autor: Michael Boldt

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Michael geht schwimmen: Tag 1

Um 9:00h geht’s los. Skipper Bojan nimmt uns an Bord und zwei Zodiacs ins Schlepptau. Auch hier wieder heißt es Safety First und wir lernen das Boot und die Spielregeln dafür kennen. Immer festhalten, immer von hinten ans Boot ranschwimmen, wo sind die Schwimmwesten, wo ist Verbandszeug, wen ruft man im Notfall an. Wir verlassen den Hafen von Luka und können es kaum erwarten, uns dem Wasser zu überlassen. Nach fünfzehn Minuten Bootsfahrt erreichen wir eine Bucht im Süden der Nachbarinsel Tijat. Für den ersten Tag steht Schwimmen entlang der Küste auf dem Programm, damit wir uns mit dem Meer, den Wellen und dem Salz vertraut machen. 24,5 Grad Wassertemperatur, ein makelloser Himmel, eine leichte Brise bescheren uns einen perfekten Tag.

Wir gehen in drei Teams ins Wasser. Team gelbe Badekappe startet zuerst und bekommt 150 Meter Vorsprung. Dann springt Team orange hinterher und geht es an. Ich starte mit zwei Männern und einer Frau im Team pinke Badekappe zuletzt. Wir lassen es gemütlich angehen und kraulen uns an die beiden Gruppen heran. Ich brauche ein paar Minuten, um mich an das spezielle auf und ab der Wellen zu gewöhnen. Gleiten wie im See oder im Schwimmbad ist oft nicht drin. Dafür ist das Wasser glasklar. Die Unterwasserwelt hat hier allerdings nicht viel zu bieten, aber der Blick auf die Küste ist umso schöner.

Hinter uns sind Orla und Marc in den Beibooten unterwegs und behalten uns immer im Blick. Alle tausend Meter sammeln wir uns bei ihnen, können Getränke oder PowerSnacks aufnehmen. Und wir bestätigen uns immer wieder, wie toll es ist, im Wasser zu sein. Mein gute Vorbereitung macht sich bezahlt. Ich bin fit, spüre kaum Ermüdung und fühle mich sehr gut.

Mittagspause machen wir nach vier Kilometer Schwimmen in Sepurine, einem Dorf auf unserer HomeBase-Insel. Ein Buffet an Bord macht uns satt und ein bisschen schläfrig, aber im Wasser sind wir schnell wieder wach und voll konzentriert, denn jetzt geht es an die Videoaufzeichnungen unseres Schwimmstils zur späteren Besprechung.

Im Anschluss machen wir uns auf, die letzten vier Kilometer des Tages zu absolvieren. Entlang der festlandseitigen Küste geht es Richtung Südspitze, die wir umschwimmen. Erst kurz vor der Hafeneinfahrt gehen wir wieder an Bord.
Ein toller Tag geht zu Ende, und wir freuen uns schon auf noch mehr Meer: ein Crossing von Insel zu Insel, das allerdings nur bei ruhiger See möglich ist, steht bei uns allen auf der Wunschliste.

Entdeckung des Tages
Carl aus London erzählt mir von seinem Channelcrossing. 2009 (nach 2 Jahren Vorbereitungszeit) hat er sich den Traum erfüllt, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. 33 Kilometer zuzüglich einiger Kilometer Strömungsabweichung von Dover nach Calais hat er in 13 Stunden bewältigt. Seine Einschätzung: Man muss „nur“ ein sehr guter Schwimmer sein, Schnelligkeit zählt hier nicht, der KOPF ist entscheidend. Da die Wassertempertur dabei meist nicht über 15°C läge, sei eine gute natürliche Polsterung ein MUSS, dabei lacht er und tätschelt seinen Bauch.

Ich bin inspiriert und will mehr wissen.
Deshalt lautet der…

…Tipp des Tages
https://swim.de/aktuell/abenteuer-aermelkanal/

autor: Michael Boldt

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